Thermik baut innovative Spitzenposition weiter aus



Die Verlagerung des Unternehmenssitzes von Baden-Württemberg nach Thüringen bestätigt den bisherigen Erfolg. Zum dritten Mal in Folge wurde die Thermik Gerätebau GmbH als eines der 100 innovativsten mittelständischen Unternehmen in Deutschland ausgezeichnet. 

Gerade einmal vor elf Monaten verkündete die Firmenleitung ihre Absicht – einem Paukenschlag gleichkommend – den Stammsitz der internationalen Firmengruppe von Pforzheim nach Sondershausen verlegen zu wollen. Hiervon sollten Produktion, alle operativen Bereiche und vor allem auch Forschung und Entwicklung betroffen sein.

Einen derartig großen und verantwortungsvollen Schritt zu wagen, setzt nicht nur weitsichtige Strategie, sondern auch Mut zum Fortschritt voraus.  Kaum ein Unternehmen kann davon ausgehen, eine Entscheidung in ähnlich kurzer Zeit ohne ernsthafte Beeinträchtigungen durchsetzen zu können. Gut aufgestellte Firmen wie die Thermik Gerätebau GmbH, welche seit Jahren nachhaltig und vorausschauend geführt wird, ist in der Lage unternehmerische Wege zu gehen, die den eigenen Horizont maßgeblich erweitern.

So hat die diesjährige Auszeichnung „TOP 100“ für 2012 eine noch größere und wertvollere Bedeutung als in den vergangenen Jahren. Die erneute Wahl unter die 100 innovativsten mittelständischen Unternehmen ist der Beweis dafür, dass Thermik auch nach der Verlagerung der Firmenzentrale, die mit grundlegender Struktur- und Personalveränderung einherging, die Kontinuität als Innovationsführer nicht nur bewahrt, sondern sogar ausbauen konnte. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass nunmehr seit dem Umzug nahezu doppelt so viele Patente angemeldet wurden als in den Vorjahren. Beispielhaft ist die Umsetzung aller Entwicklungsprojekte, die sich am alten Standort noch in der Strukturpipeline befanden."Aktuell sind wir intern und extern auf allen Gebieten im Vormarsch" kommentiert der Alleingeschäftsführer und Hauptgesellschafter Marcel P. Hofsaess die aktuelle Lage. "Dass wir außerdem gerade jetzt wieder unter die TOP 100 kommen, bestätigt die Richtigkeit unseres Tuns. Die Verlegung des Stammsitzes nach Thüringen zeichnet sich als eine der fruchtbarsten Entscheidungen ab, die ich bislang tätigen durfte. Und ich kann schon jetzt feststellen: Die Rechnung ging auf. Was aber die Verlagerung des Headquarters der Firmengruppe erleichterte, sei der Umstand gewesen, dass Thermik bereits seit 1990 in Sondershausen mit einem Produktionswerk vertreten war." schlussfolgert der Geschäftsführer.

Neben Thüringen produziert und vertreibt Thermik auch in Malaysia für den asiatischen Markt mit über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie in Rumänien (ca. 120 Mitarbeiter) und in den USA mit ca. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Insgesamt sind weltweit ca. 600 Mitarbeiter in der Firmengruppe beschäftigt. Durch eine hohe Vernetzung der Werke untereinander, sowie die Tatsache, dass für die Produkte des Serienherstellers (Temperaturbegrenzer und Sensoren) ein geringer logistischer Aufwand anfällt, ist stets gewährleistet, dass jeder Markt durch jedes einzelne Werk erreicht werden kann. Nicht nur höchste Qualität, sondern auch höchste Lieferzuverlässigkeit sind laut Firmenleitung erklärte Ziele von Thermik. Bei sich zukünftig kontinuierlich verändernden Märkten birgt diese Zielsetzung eine große Herausforderung. Aber auch für diesen Fall ist bei Thermik unlängst Vorsorge getroffen. Und um Flaschenhalseffekte zu vermeiden, ist man beim Marktführer mit der größten Produktpalette schon vor Jahren dazu übergegangen, jedes Produkt an mindestens zwei Unternehmensstandorten zugleich produzieren und ausliefern zu können.
Mit Expertise und Fantasie werden die technologischen Grenzen bei der Thermik Gerätebau GmbH beständig erweitert, Fortschritt nicht nur praktiziert sondern gelebt.

Quelle: Sondershäuser Heimatecho

Chefreferentin Anne Bressem, der kaufmännische Leiter Ralf Schumann und der Bürgermeister der Stadt Sondershausen Joachim Kreyer nehmen in Friedrichshafen im Rahmen einer Galafeier von Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar die Auszeichnung TOP 100 für die Thermik Gerätebau GmbH entgegen.

Rückkehr in die Heimat



Marcel P. Hofsaess, Geschäftsführer

"Heimat ist da, wo die Großeltern begraben sind", sagt ein Sprichwort. Da seine Großeltern in Großfurra begraben sind, sei es für ihn sozusagen eine Rückkehr in die Heimat, erklärte Marcel P. Hofsaess bei der Einweihung der neuen Firmenzentrale in der Sondershäuser Salzstraße.

Sondershausen. Die alte Heimat hatten die Eltern des heutigen Geschäftsführers der Firma "Thermik Gerätebau" verlassen, um in Pforzheim ein Unternehmen zu gründen, das sich mit der Herstellung von Temperaturbegrenzern für Elektromotore beschäftigt. Die schützen die Geräte im Störfall vor Überhitzung. Die eher unauffälligen Bauelemente reduzieren somit die Brandgefahr. Für einen echten Pforzheimer gehöre es sich einfach nicht, über ein Dasein außerhalb der Stadt nachzudenken, philosophierte der Firmenchef in dem mit Ehrengästen und Belegschaft voll besetzten Festzelt, in das man aus gegebenen Anlass und der Jahreszeit gerecht, zum Oktoberfest geladen hatte.

Nicht zuletzt wegen dieser Bodenständigkeit sei es keineswegs von Anfang an klar gewesen, den Firmensitz nach Thüringen zu verlegen. Nur eines sei beschlossene Sache gewesen: Der Firmensitz sollte unter einem Dach vereint werden. Denn hier in Großfurra, später in Berka, stand seit 1990 "die verlängerte Werkbank aus Baden-Württemberg". Nur zehn Prozent der Pforzheimer Belegschaft habe ihm nach Thüringen folgen wollen, sagte Hofsaess. Das sei in der Regel die obere Leistungsklasse eines Unternehmens. Durch den Weggang vom bisherigen Firmensitz verlor die Stadt rund 100 Arbeitsplätze, bedauerte am 20. August die "Pforzheimer Zeitung". Ebenso viel waren schon im Kyffhäuserkreis beschäftigt. Somit hat die "Thermik" heute 200 Mitarbeiter. Was für Pforzheim ein Verlust war, ist für die Thüringer Politiker ein Grund zum Jubeln. Auch für Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Noch dazu, wenn es sich, wie sie betonte, um eine Zukunftsbranche wie den Energiesektor handelte. An den ersten Besuch des Firmengründers Peter Hofsaess erinnert sich Lieberknecht besonders gern. Das war der 7. Mai 1990, der Wahlsonntag. An ihm seien bis heute die Weichen für die politische Ausrichtung im Land gestellt worden. Also ihre Parte, die CDU, an die Macht kam. Und es bis heute blieb.

Was dann kam, sei ein tiefes Tal der Tränen gewesen, erinnerte die Ministerpräsidentin diesmal mit Blick auf den Zusammenbruch großer Teile der Wirtschaft. Seither aber habe sich ein Industriestandort mit großer Unternehmensdichte in Thüringen entwickelt. 91 Unternehmen kommen hier auf 100 000 Einwohner. Landrat Peter Hengstermann (CDU) erinnerte an die verschiedenen Standorte des Unternehmens wie Großfurra, Berka und nun Sondershausen: "Wir haben noch einige Gewerbegebiete", lockte er den Firmenchef scherzhaft.

Während es für Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) ein "Traum wäre", wenn es dank der Unternehmensansiedlung zu einem Babyboom in der Stadt kommen würde. Die 40 Jahre beneidenswerter Vollbeschäftigung hätten nicht nur positive Seiten: Dauerhafter Erfolg führe zu Trägheit, meinte Hofsaess. "Ein Horrorszenario für jeden Unternehmer." Andererseits hätten die Menschen hier gelernt sich durchzusetzen. Aus den 1000 Bewerbungen habe man Vieles herauslesen können. Die heutige Belegschaft solle so bleiben wie sie ist, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Mit einem Hieb schlug er das Bierfass an. "Ein gutes Omen."

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht begrüßt die Ansiedlung von "Thermik". Foto: Nico Kiesel

Thermik verlässt die Goldstadt



Pforzheim verliert ein Aushängeschild: Das Unternehmen Thermik gilt als Weltmarktführer in der Entwicklung und Produktion von Temperaturbegrenzern zum Schutz elektrischer Geräte vor Überhitzung. Ende August wird der Firmensitz im Pforzheimer Altgefäll geschlossen und das Unternehmen komplett nach Thüringen verlagert. In der Goldstadt gehen dadurch knapp 100 Arbeitsplätze verloren. Das Angebot nach Thüringen zu wechseln, haben nur zehn Prozent der Belegschaft angenommen. „Es war keine Entscheidung gegen Pforzheim, sondern für Thüringen“, sagt Marcel P. Hofsaess zum ergebnisoffenen Meinungsbildungsprozess, der letztlich zur Standortschließung führte. Zurück bleibt ein leer stehendes Firmenareal mit einem imposanten Forschungs- und Kompetenz-Zentrum, das erst vor drei Jahren – rechtzeitig zum 40-jährigen Bestehen des mittelständischen Unternehmens – für drei Millionen Euro errichtet wurde. Und die Goldstadt verliert einen der größten Gewerbesteuerzahler, wie Hofsaess anmerkt.

Beirat trägt Beschluss

Der Beirat des Familienunternehmens habe den Beschluss einstimmig gefasst, bestätigte dessen Vorsitzender Wolfgang Daum, ehemals Chef der Sparkasse Pforzheim Calw. Seit der Firmengründung im Jahr 1968 durch Peter Hofsaess wurden die Thermik- Produkte in der Goldstadt entwickelt und gefertigt. Über 800 Patente und Schutzrechte zeugen von der Innovationskraft der Firmen- Gruppe, die inzwischen weltweit 650 Mitarbeiter beschäftigt. Das Herz des Unternehmens schlägt künftig in Sondershausen, rund 50 Kilometer von Erfurt entfernt. Seit 1990 ist Thermik dort bereits vertreten. „Mein Vater erkannte das große technologische Potenzial des ostdeutschen Standorts in der Halbleiter-Fertigung“, betonte Hofsaess im Gespräch mit der PZ. Zur Zeit der Wende – die sozialistische DDR lag wirtschaftlich am Boden – war dies eine unternehmerische Pionierleistung. Aus ursprünglich 25 Thermik-Mitarbeitern wurden 110, viele davon seien aus den alten Bundesländern in ihre Heimat zurückgekehrt, erzählt der Mittelständler. Die keramischen Bauelemente ergänzen seither die klassischen Temperaturbegrenzer auf Bimetallbasis – eine Pforzheimer Spezialität. 2,8 Milliarden Temperaturwächter wurden bislang von Thermik produziert. Sie finden sich in Ventilatoren, Hausgeräten, Motoren und Heizgeräten. Rechnerisch findet sich in jedem zweiten Haushalt ein Überhitzungsschutz von Thermik. Der 46-jährige Firmenchef ist gebürtiger Pforzheimer und in der Goldstadt aufgewachsen. „Meine Vorfahren sind hier beerdigt.“ Deshalb sei ihm die Entscheidung Pforzheim zu verlassen nicht leicht gefallen. Den Ausschlag für Thüringen gaben schließlich betriebswirtschaftliche, strukturelle und strategische Gründe. „Es wurde auch geprüft, den Standort Sondershausen am Stammsitz Pforzheim zu integrieren.“ Auch ein Verbleib von Holding, Headquarter und Entwicklung in der Goldstadt wurde analysiert. Doch die Argumente sprachen letztlich eindeutig für Thüringen, betont Hofsaess. Die enge Verzahnung von Forschung und Entwicklung mit der Produktion, kurze Wege, die Optimierung von Verfahren – das alles müsse an einem leistungsfähigen Standort gebündelt werden. Dort wird auch der Vertrieb angesiedelt. Thüringen biete ein breites Angebot von motivierten Arbeitskräften. „Dort war die Ingenieur-Ausbildung schon zu DDR-Zeiten tiefgründiger als hier. Und wir brauchen dringend Ingenieure und Mechatroniker.“ Die Nähe zu Universitäten und Fachhochschulen in Erfurt, Jena sowie die inzwischen sehr gute Infrastruktur seien wichtige Vorzüge der Region, die auch international immer stärker wahrgenommen würden. Dazu komme der Fachkräftemangel am Standort Pforzheim, der immer dramatischere Ausmaße angenommen habe. Absolventen der Hochschule Pforzheim blieben nicht in der Goldstadt, sondern heuerten lieber bei Konzernen in Stuttgart und Karlsruhe an. „Pforzheim gelingt es nicht, diese Leute zu halten“, beklagt Hofsaess. Bewerber von außerhalb seien wiederum nur schwer nach Pforzheim zu locken, oftmals scheitere eine Ansiedlung auch am familiären Widerstand, weil Frau und Kinder nicht umziehen wollten. Unverändert mache man auch die Feststellung, dass selbst ein Arbeitsloser eine Anfahrt von 20 Kilometern als „nicht zumutbar“ empfinde. Dadurch, dass ernsthafte Mitbewerber von Thermik unmittelbar in der Region angesiedelt seien – Beiratschef Daum spricht gar von einem Oligopol von Herstellern – kam es immer wieder zu Abwerbungen, verbunden mit entsprechendem Know-how-Verlust.

Kein China-Engagement

Dieser unkontrollierbare Abfluss von Wissen war es auch, der ein Engagement in China ausschloss. Dort finde eine staatlich geförderte Unterwanderung statt. Marcel P. Hofsaess: „Ich habe noch keinen getroffen, der in China glücklich wurde! Wir haben uns deshalb bereits 1992 für den Aufbau einer Produktionsstätte in Malaysia entschieden, um den asiatischen Markt zu beliefern“, betont Hofsaess. Dort herrsche hohe Rechtssicherheit durch die traditionelle Zugehörigkeit zum britischen Commonwealth. Inzwischen ist das Malaysia-Werk zur Cash-cow des Unternehmens geworden. Weitere Standorte unterhält Thermik im rumänischen Sibiu und in New Bern, South Carolina.


Der etwas andere Unternehmer



Ein Kommentar von Albert Esslinger-Kiefer, Verleger Pforzheimer Zeitung

DIESER UNTERNEHMER ist von der etwas anderen Art. IHK-Empfänge und gesellschaftliche Anlässe sind ihm ebenso fremd wie der Golfplatz. „Da gehe ich lieber mit dem Hund in den Wald“, sagt Marcel P. Hofsaess. Und wenn ihn Lothar Späth als einen der innovativsten Mittelständler auszeichnet, dann ist das Outfit des Geehrten fern von Zweireiher und Krawatte. Seine Vita ist kurvenreich, sein familiäres Umfeld nicht immer von der einfachen Sorte gewesen. Er hat das väterliche Unternehmen verlassen, um es zu konkurrenzieren, und er ist zurückgekehrt, um es mit großer Dynamik in eine neue Größenordnung zu führen. 40 Millionen Umsatz markieren den soliden Mittelständler, eindrucksvoller noch ist die Rendite: 23 Prozent plus!

Ohne Zweifel: Dahinter stecken engagierte Arbeit, tüftlerisches Talent und eine stringente Unternehmensführung. Er lebt die klassischen Attribute des Mittelständlers und man glaubt es ihm, wenn er sagt „Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht fleißig bin!“ Nun kehrt ein Pforzheimer Unternehmer seiner Heimatstadt den Rücken und zieht mit Sack und Pack nach Thüringen. Wenn er in seiner ruhigen, aber bestimmten Art da sitzt und den Zeitungsleuten – unterstützt durch eine Powerpoint-Präsentation – die harten und weichen Faktoren präsentiert, die nach reiflicher Überlegung zu dieser tiefgreifenden Entscheidung geführt haben, dann bleiben keine Wenn und Aber sondern die Erkenntnis – dann muss es wohl so sein! Zurück bleiben eine Stadt, die allen Grund hat, einem topsoliden Gewerbesteuerzahler nachzutrauern, zurück bleiben 100 verlorene Arbeitsplätze und eine Industrie-Immobilie, die man getrost zu den Preziosen in der Region zählen darf.